POLYMORPH

Wie legt man den Charakter eines Dialekts in die Formen von Buchstaben?

Dialekt sehen, Schrift spüren

Schriftgestaltung

„Dialekt sehen, Schrift spüren“ beschreibt den Versuch, die Körperlichkeit und Eigenart des Bairischen in eine typografische Form zu übersetzen, die man nicht nur liest, sondern unmittelbar erlebt. Dieses Projekt entsteht aus dem Wunsch, die klangliche Identität regionaler Sprache sichtbar zu machen. Abseits folkloristischer Klischees entsteht ein zeitgemäßes, klares grafisches Profil.

Die Schrift nutzt kräftige, stabile Serifen, die den Zeichen Halt geben und eine geerdete Anmutung erzeugen. Der geringe Kontrast sorgt für ein robustes, ungekünsteltes Erscheinungsbild, das zur klaren, alltagsnahen Sprachmelodie passt. Die leicht nach links geneigte Achse bringt Dynamik ins System und erinnert an handschriftliche Bewegung. Oben beschnittene Rundungen brechen klassische Formen und verleihen den Buchstaben eine prägnante, bewusst unperfekte Note. Offene Punzen erhöhen die Lesbarkeit, runde Innenpunzen schaffen Weichheit und Menschlichkeit – Dialekt ist persönlich und körperlich, und die Formen spiegeln diese Nähe wider. Das Zusammenspiel aus eckigen Außenformen und weichen Innenlinien schafft einen eigenständigen Charakter.

Der Zeichensatz wird durch Ligaturen und alternative Glyphen ergänzt, die typische Lautfolgen und Verschleifungen abbilden. Sie ermöglichen einen flüssigen, rhythmischen Satz und zusätzliche typografische Flexibilität. Trotz der Dialektprägung bleibt die Schrift universell einsetzbar. Als Display-Font eignet sie sich für Editorial Design, plakative Anwendungen oder Markenauftritte, die eine klare, markante und zeitgemäße Formensprache benötigen. Die dialektalen Anklänge prägen den Charakter, ohne die Einsatzmöglichkeiten einzuschränken.

Typografie

Betreuer:innen:
Prof. Burkhard Vetter , Prof. Christoph Schaden , Prof. Sybille Schenker